2017-01-28

Gedichte v. N.Becker: Die Blutbuche (18)




Die Blutbuche



Im stillen Hain ein Jüngling saß

Beim Lieb zur Maienzeit;

Hoch über ihrem Sitze ragt
Die Buche stark und breit.

Wie stehn die bunten Blümlein schön,
Wie singt auf grünem Zweig
Sanft wiegend sich der Fink sein Lied!
Doch du schaust trüb und bleich.

„Wohl freut mich nicht der Blümlein blühn
Und nicht des Vogels Lied;
Im Ohre klingt ein heller Ton
Von Ihm, den ich verriet. „

Denkst sein du noch? Sein Grab umweht
Wohl lang'schon dichtes Gras;
O lebt ja auch, wie seiner du,
Er deiner längst vergaß.-

Liebkosend bog er sich hinab
Zu ihrer Wange rot,
Halb sträubend sich, halb willig sie
Den süßen Mund im bot.

Und wie sich Lipp'an Lippe presst,
Da knistert's durch den Sand.
An ihrer Seite düstern Blicks
Der schnöd Vergess'ne stand.

„Wie blieb ich lange, schönes Lieb,
In fernen Gau'n so lang!
Doch treu hast meiner du geharrt,
Nimm hin der Treue Dank. „

Und in dem Busen, weiß wie Schnee,
Fährt seine Schwertes Stoß.
Tiefseufzend sank die schöne Maid
Dahin aufs weiche Moos.

Was starrest, feiner Junker, du
Die bleiche Lilie an?
„Risch aus, risch aus dem Eisen blank,
Jetzt ist's um dich getan!“

Sie fochten lang', sie fochten gut,
Bis tief ein scharfes Schwert
Bluträchend seiner Lieb' Verrath
Des Feindes Brust durchfährt.

Und zu den Liebchen trug er ihn,
Dort an der Buche Holz;
Aus seinen Blicken funkelt wild
Genoss'ner Rache Stolz.

Doch trüb schaut er auf sie hinab,
Im Aug' die Träne hing,
Als rückwärts blickend langsam er
Durch Waldes Dunkel ging.

Und als mit neuen Grün der Mai
Die Bäume ringsum hängt,
Ein jedes Blatt die Buch trägt
Von Blute wie besprengt.

Und finster steht sie an dem Hain
Im Schmucke dunkelrot,
Es flüstern ihre Zweige leis'

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