26.01.2017

Gedichte v. N.Becker: An die Muse (5)




An die Muse

Jetzt magst du schau'n, o Muse,
Was du mit mir vollbringst,
Wie du aus diesen Tiefen
Mich auf zur Höhe schwingst.

Den Spruch hatt' ich vernommen:
Mein Sohn, oh! habe Acht,
Nach einem sichern Brode
Zu wandern sei bedacht.

Ich ging mit meinem Stabe
Auf breitem Heerweg schon;
Da hast du mich verlocket
Mit deinem Zauberton.

Da hast du mich gezogen
Seitwärts zum grünen Wald;
Wer könnte widerstreben
Wohl deiner Allgewalt?

Den Vögeln musst' ich lauschen,
An kühler Quelle stehn,
Wo hohe Gipfel rauschen
Mit wunderbarem Wehn;

Um weiter mit dir streifen
Durch alle Frühlingspracht,
Nach Blumen, Wolken greifen,
Nach Sternen in der Nacht;

Auf leicht verschlungnen Pfaden,
Durch Schluchten, Felsgestein;
Nur Morgens durft' ich haben
In Tau und Frührotschein:

Bis es mich ganz durchdrungen,
Mein Herz so selig schwoll,
Und Lieder ich gesungen,
Die deines Geistes voll.

Dann führtest du mich plötzlich
Zum alten Heerweg hin;
Ich kannte kaum in wieder
Im traumbefangenem Sinn.

Als ich zum Ziel gekommen
Mit trägem Fuß zuletzt,
Da war in weite Runde
Schon Bank und Stuhl besetzt.

Es saßen Groß und Kleine
Enthoben aller Noth,
Und ließen sich behagen
Gemächlich Wein und Brot.

Ich späte aller Enden,
Ob Keiner rücken wollt';
Die Schritte musst' ich wenden'
Nicht Einer war mir hold.

Jetzt magst du schaun, o Muse,
Was du mit mir vollbringst,
Wie du aus diesen Tiefen
Mich auf zur Höhe schwingst.

Ich selbst bin nicht verlegen,
Dir bleibt die Sorg' allein;
Kannst mich ja fürder pflegen.
Mit Tau und Frührotschein.

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