26.01.2017

Gedichte v. N.Becker: An die Nacht (6)




An die Nacht

Wie könnt' ich, treue Freundin Nacht,
Wohl ohne dich dies Dasein tragen,
Von Herzen, diese fühllos schlagen
Im engen Tagwerk eng bewacht?

Du bringst mir Glück und Freude wieder.
Wenn du zur Ruh' gewiegt die Welt,
Der Schlummer endlich niederfällt
Auf ihre müden Augenlider:

Dann leis' das keine Diele knarrt,
Schlüpfst du zum Tor auf leichten Sohlen,
Die Muse mir herein zu holen,
Die lauschend an der Schwelle harrt.

Und wie auch in den tiefsten Tale,
Geweckt vom Lenz, die Blumen blühn
Und frei die Quellen wieder ziehn,
Gelöst vom lichten Sonnenstrahle,

So taut es mir im Busen auf,
Der Schöne all, das tief verborgen
Verschüttet lag von Lebenssorgen,
Es blühet freudig wieder auf.

Wie selig sitz' ich ihr zu Füßen!
Nichts Fremdes drängt zu uns sich ein,
Als nur des Mondes milder Schein,
Die Sterne, die uns traulich grüßen.

Wie hell ihr Götterlied erklingt,
Ein reicher Strom von Himmelssagen,
Auf dem die Seele sanft getragen
Zum fernen Zauberlande dringt!

Das Ufer hab' ich schon erstiegen,
Ich küsse freudig seinen Saum,
Der Seele langgehegten Traum
Seh' ich verwirklicht vor mir liegen.

Da triffst du, stille Nacht, herein,
Und flüsterst, dass dein Reich zu Ende;
Es grüßt der Tag die grauen Wände,
Der bleiche Tag mit seiner Pein.

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