23.01.2017

Gedichte von Ernst Toller: Dämmerung (3)



Dämmerung

(Romain Rolland dankbar)

Am frühen Abend lischt das Leuchten deiner Zelle,
Von grauen Wänden gleiten schlanke Schatten,
Wer trotzig schrie, wird träumerisch ermatten,
Die braune Stille schwingt wie eine milde Welle.

Und oft erfüllt den engen Raum opalne Helle,
Gestalten deines Herzens locken dich zu heitrem Reigen,
Da wird ein Tanz im schweren Mantel Schweigen,
Da wird ein bunter Klang im dämmernden Gefälle.

Dein Atem ist ein Ruf, ein einziger Ruf!
Die Wächter schlürfen durch die Gänge, scheele Gäste.
Du bist so reich und lüdst sie ein zum Feste,

Das dir Genosse Abend schuf.
Doch grämlich drücken sie ans Guckloch trockne
Schläfe . . .
Es ist kein Ruf, der ihre Herzen träfe.

Gedichte v. E.Toller                                                                                                                    weiter

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