2017-01-11

Gedichte von F.Wilhelm Riemer: Der Künstlerin mit einer Mundtasse (2)



Der Künstlerin

Mit einer Mundtasse

Dir zur schönen Tagesfeier
Wunsch und Gabe darzubringen,
Lass' Apollo meiner Leier
Heut ein frisches Lied gelingen!

Freilich, wenn wir's recht bedenken,
Eitel bleibet das Bemühen,
Dir zu wünschen, Dir zu schenken:
alles ist Dir ja verliehen!

Hat Dir nicht die Gunst der Götter
Schon das schönste Los gegeben?
Auf dem engen Raum der Bretter
In der Kunst das reichste Leben.

Mag der Welt, der groß-und kleinen,
Einsicht nur das Sein geziemen;
Du darfst Vieles, Alle scheinen
Und des Scheins Dich glücklich rühmen.

Was wir nur zu ernsthaft fühlen,
Unsern Schmerz wie unsre Freude,
Magst Du unbefangener spielen
Uns zur Herz-und Augenweide.

Hast Du Dich in jeder Lage,
In Entzücken uns versetzt;
Finden wir, nach jedem Tage,
Immer doch Dich selbst zuletzt.

Aus dem Wechsel der Gestalten,
Als den allerschönsten Kern,
Dies Dein Selbst sich zu erhalten
Wünscht so mancher nah und fern;

Wünscht Dein aller treuester Diener,
Dem es Deine Huld vergibt,
Wenn er Dir sich, etwas kühner-
Zwischen Hand und Lippe schiebt!

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