2017-01-11

Gedichte von F.Wilhelm Riemer: Der Vermählten (4)



Der Vermählten

Manchen Abend sahn im Spiel
Wir Dich Herz und Hand verschenken,
Und es schmeichelt dem Gefühl
Sich an  Deine Seite denken;
Der Rival schien nicht zu kränken:
War nur erst Spiel vorbei,
Schien ja Herz und Hand noch frei.

Und auf einmal willst Du Scherz
Bis zum höchsten Ernste treiben?
Einem sollen Hand und Herz
ewig treu sein und verbleiben?
Weibchen sollen wir Dich schreiben?-
Der verschmitzte Comikus
Täuscht uns so noch zum Beschluss!

Wer das Glück hat-heißt es ja-
Holet sich die Braut nach Hause,
Und wir andern sitzen da
Trocken bei dem schönsten Schmause,
Hielten so für diesmal Pause.
Aber noch nicht-das Ihr's wisst-
Aller Tage Abend ist.

Nächstens kommt die Heuchlerin,
Spielt das Bärbchen, spielt das Käthchen,
Bringt die Frau uns aus dem Sinn,
Ist noch ganz das liebe Mädchen,
Hat uns wieder all' am Fädchen:
dass man doppelt es vergisst
was sie ist und nicht mehr ist.

alle Gedichte von Riemer                                                                                                          weiter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de