2017-01-12

Gedichte von F.Wilhelm Riemer: Des Winters Ruhm (5)



Des Winters Ruhm

„Soll von meinen Brüdern allen
Ich nur keine Schmucks mich freuen?
Wenn durch Reize sie gefallen,
Gaben stets an Gabe rein,
Sollte ich arm und einsam wallen
Und nur stürmen, frieren, schneien?“

Also klagt' an Jovis Throne
Jüngst der Winter gramumhüllt;
Doch in väterlichem Tone
Tröstet Zeus in sanft und mild:
“ Wende Dich nur an Dione
Dass sie Deine Klagen stillt“

Und mit schmeichelnder Gebärde
Wendet er zur Göttin sich:
“Das Dein Ebenbild mir werde,
Mächt'ge Göttin, flehe ich Dich!
Glück und Wonne meiner Erde
Einzige kommt ja durch Dich.“

Und sie winkt den Gürtellosen
Und die holde Schar entschwebt
Und aus Lilien und Rosen
Wird ihr göttlich Bild gewebt,
Das mit Küssen und mit Kosen
Venus mütterlich belebt.

Jetzt befreit von Gram und Sorgen
Nimmt der es von Dank entzückt:
Denn sein Ruhm ist nun geborgen
Da das schönste Pfand in schmückt,
und am reinsten seiner Morgen
hat er uns durch Dich beglückt!

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