2017-01-12

Gedichte von F.Wilhelm Riemer: Deutsche Landplagen (6)



Deutsche Landplagen

Erst waren's Mönche, die uns Wälder lichten
Von freien Eichen, so die Väter ehrten:
Freiheit und Eichen seit der Zeit verkehrten
Schier noch allein in Bardischen Gedichten.

Dann fielen Nonnen auch uns in die Fichten,
Die rattenkahl und radikal sitzt zehrten;
Ein Surrogat erwuchs zwar den Gelehrten
In aufgeschoss'nen idealen Fichten.

Doch Dichter-Eichen, Philosophen-Fichten
Was mögen die für Schutz und Nutz gewähren,
Untüchtig, obschon wert, dass Feu'r zu nähren?

Nun führt uns noch, statt jener Hosenlosen,
Der Teufel her, ein gleiches Heer Franzosen:
um Alles sind wir nun, und-um die Fichten!
Freiheit und Gleichheit

Seit durch die Bank wir so zur Schätzung kommen,
Dass, wer es sei, sie keinen wird verweigert,
hat zwar im Wert der Mensch sich sehr gesteigert,
doch in der Achtung merklich abgenommen.

Unschätzbarkeit wird gar nicht angenommen:
Denn, weil man jetzt aufs Leben Schächte seigert,
Und durch den Bleizuschlag das Silber seigert,
Muss man auf ein real Ergebnis kommen;

Und weil mit Geistern Keins sich mag befassen,
Sind dafür die Seelen dran gekommen:
Da bilden Mensch und Vieh doch gleiche Klassen.

Die Freiheit hat man mit dem Geist entlassen,
Weil sie zu Steuerrollen nicht wild passen,
Dafür ist dann die Gleichheit angenommen.

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