13.01.2017

Gedichte von F.Wilhelm Riemer: Scheinheiliger (13)





Scheinheiliger

Was Einer ist, dass, will man, soll er scheinen,
Und was er scheint, das soll er denn auch sein.
Schon recht! nur, lässt man mit der Welt sich ein,
Will beides sich nicht immer so vereinen.

Gar Manche geben Schein, weil sie der Schein
Umgibt, doch sind sie nicht, was sie erscheinen,-
Wie Gold nicht alles ist, was Gold mag scheinen;-
Und Andre scheinen nicht was sie auch sein.

„Scheinheil'ger" bin ich Dir? Je nun ich meine
Das soll mir eben nicht zum Schaden sein:
Schein' ich doch was ich bin, bin was ich scheine

Zum Heil'gen fehlt mir nichts, auch nicht der Schein;
Und wenn ich immer, was ich nicht bin, scheine,
Die Heil'gen sind's ja auch nur durch den Schein!

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