2017-01-16

Gedichte von I.Liebenthal: Wir gehen einer in des andern Schatten (18)




Wir gehen einer in des andern Schatten

   Wir gehen einer in des andern Schatten
und grüßen nicht und sind einander fremd
Wir achten nicht, wenn neben uns mit matten,
erloschnen Augen man die Schritte hemmt

Wenn sich mit stummen, bittenden Gebärden
ein Antlitz aus der Schar der andern löst.
Wenn wir ein Lächein, einen Blick gefährden,
die unser Hochmut kalt zur Seite stößt

Und neben uns und hinter uns versiegen
die warmen Quellen, und der Weg wird hart
Was uns auch rief: wir haben stets geschwiegen
und auf das Ziel, das vor uns liegt, gestarrt

Wir haben uns zu keinem Kind, das jammernd
am Boden vor uns weinte still gebückt
Wir halfen keine Blume, die sich klammernd
am Saume unsres Kleides hielt gepflückt

Und also wichen sie vor uns mit scheuen,
verschloßnen Mienen, zitternd und verstört.
Wir können nicht verwünschen und bereuen.
Uns gilt der Eine Ruf, den wir gehört!
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