03.01.2017

Gedichte von L.Dreves: Abgrund des Lebens (2)




Abgrund des Lebens

Zieht ein Wanderer am hellen Morgen
In die heit' re Ferne, ohne Sorgen
Lässt zurück er seines Vaters Haus,
Tausend Segenswünsche ihn begleiten,
Doch er wird sie nicht, die schönen Weiten
Locken ihn in ihren Duft hinaus.

Und er bleibt nicht auf dem Weg, dem graden,
Seitab nie geahnte Pfade laden,
Kühle Gründe, rauschend wunderbar;
Schwanken zwischen Lust und inner'm Grauen,
Treibt es ihn, von dort hinabzuschauen
Nach den Nixen mit dem goldnen Haar.

Unterdes ist Dämmerung geworden,
Schwindelnd steht er an den steilen Borden,
Will nicht vor und kann zurück nicht mehr;
Warnend steht ein Kreuz im Mondenschimmer,
Doch er sieht es nicht, es zieht ihn immer
Mehr hinab, bald ohne Wiederkehr.

So erblickt oft spät mit Graun und Beben
Sich ein Mensch verirrt im schönen Leben,
Kühne Stege locken allzu sehr,
Bis er mählig irr'und wonnetrunken
In den schimmernden Abgrund gesunken
Und nach Hause find't er nimmermehr.

alle Gedichte von L.Dreves                                                                                                        weiter

alle Gedichte nach Themen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de