2017-01-03

Gedichte von L.Dreves: Als ich heut' zu dir gekommen (3)



Als ich heut' zu dir gekommen

Als ich heut' zu dir gekommen
Bei des Abends Dämmerschein,
Hat' ich fest mir vorgenommen,
Ernst und still und fromm zu sein;

Zu beschwören jene Flammen,
Die, wenn Herz am Herzen pocht,
Schlagen stets so wild zusammen,
Doch ich hab' es nicht vermocht.

Denn ich fand dich vor Wehmuth,
Anders als ich mir gedacht,
Eine süße, heilge' Demut
Sprach aus deiner Augen Nacht.

Und du gabst mir meine Lieder
Und das Lied, das dir so lieb,
Von der Rose las ich wieder,
Wie ich einst für dich es schrieb;

Wie ich's schrieb, als im Gemüte
Mir noch, rein und unentweiht,
Eine heil' ge Rose blühte,
Unberührt von Sturm der Zeit.

Als gelesen ich zu Ende,
Saßst du unbeweglich da,
Auf dem Antlitz beide Hände,
Das ich nicht dein Auge sah.

Aber zwischen deinen Wangen
Und der aufgelegten Hand
Sah ich helle Perlen hangen
Gleich dem Tau am Blumenrand.

Und noch eh' ich's konnte wehren,
Hatte schon mein heißer Mund
Abgeküßt den Tau der Zähren,
Der auf deinen Wangen stund.

Zwar es ward kein Wort gesprochen,
Stille war es ringsumher,
Doch die Herzen hört' ich pochen
Lauter noch den je vorher.

O wie waren alle Gluthen,
Die zu löschen ich gedacht'
Nun durch jene heißem Fluten
Hell auf einmal angefacht.

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