2017-01-03

Gedichte von L.Dreves: Alte und neue Zeit (4)



Alte und neue Zeit

In den Tannenzweigen rauscht die alte Zeit
Wunderbar in tiefer Waldeseinsamkeit.

Wenn ein müdes Blatt vom Baume niederfällt,
Ist's ein Traum der altgeword'nen Märchenwelt.

Doch an Rebenhügeln sprosset weit und breit
Frisch dass jugendliche Grün der neuen Zeit.

Junge Winzer, die es pflegen unverwandt,
Rufen jauchzend ihre Lust ins weite Land.

Pflege, junges Volk, dein neugesproßtest Grün,
Aber lass der alten Welt ihr altes Blühn.

Weil gestehn du musst, wenn du bescheiden bist
Das noch viel am Weine zu beschneiden ist.

Sage nicht, der schattig kühle Eichenwald
Sei des Sonnenstrahls beraubt und eisig kalt.

Denk' des Wand'rers, der vom sommerschwülen Pfad
Froh des längst ersehnten Waldeskühlung naht.

Denke, dass des Weines Laub verwelkt und das
Tann' und Efeu grünen ohne Unterlass.

Drum lass auch die Reb' im Frühlingssonnenschein
Immerhin der Wehmuth einer Träne weih'n.

Aber du auch, träumerische Waldeinsamkeit,
Rausche nicht zu mürrisch ob der neuen Zeit.

Deine stille Welt wird niemals untergeh'n,
Mag der Hauch der Lenzluft drüber weh'n.

Ist der Tanne Zweig denn darum minder grün,
Weil staub'gen Weg auch Blumen auferblüh' n?

Rebenlaub und Efeu schlingt euch, wie
Brüder, um denselben Baum: die Poesie;

Kränzt vereint des Sängers Stirne, dessen Brust
Alter Schmerz erfüllt und junge Tatenlust

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