2017-01-04

Gedichte von L.Dreves: Der Jungfrau, die erfüllet (11)



Der Jungfrau, die erfüllet

Der Jungfrau, die erfüllet
Gänzlich vom Himmelsthau,
Der gleich von Glanz umhüllet
Nie eine and're Frau:
Ihr bringe Huldigungen
Der Mund und jedes Herz,
Von Gotteslieb' durchdrungen,
Von liebereichem Schmerz.

Ein Neues ließ gelangen
Der Herr zur Erdenwelt:
Der keuschen Leib umfangen
Der Jungfrau Jenen hält,
Der, wie vorauszusagen
Entsandt war Gabriel,
Das Zepter sollte tragen
Davids in Israel.

Es war das Ende nahe
Des neunten Mondes schon
Und schon entgegen sahe
Die Jungfrau ihren Sohn,
Als plötzlich, aufzuschreiben
Die Völker all', August
Befahl, die einverleiben
Sich Romas Reich gewusst.

Und Joseph eilt von dannen
Nach Bethlehem sofort
Denn seine Stammes Ahnen
Entsproßen diesem Ort,
Und der Verlobte führet,
Der fromme, die mit hin,
Die Sünde nie berühret,
Die Gottesgebärerin.

O Bethlehem, gehießen
Der Städte Königin,
Den hohen Gast zu grüßen,
Zieh' ans, empfange ihn,
Und alle die Paläste,
Die in dir sind zu sehn,
Lass sie dem Herrn der Beste
Des Himmels offen stehn.

Doch ach, nach Obdach spähen
Sie durch die ganze Stadt,
Kein Bürger lässt sich sehen,
Der so viel Liebe hat,
Und einen Tag gewähren
Der Jungfrau will, die bald
Wird Gottes Sohn gebären,
Sein Haus zum Aufenthalt.

Sie müssen ziehen ins nächt' ge
Zerfall'ne Stallgebäud',
Da ist die Wieg', die prächt'ge,
Die man dem Gotte beut!
O Dürftigkeit, du hehre,
So wenig du gewollt
Für Menschen wirst, so sehre
Ist dir die Gottheit hold!

Lasst auf der Liebe Füßen
Nach Bethlehem uns ziehn,
Das Kindlein zu begrüßen
Mit freudevollem Sinn;
Er ist's, er, den mit Sehnen
Die Völker lange Zeit
Erharrt, der alle Tränen
Zu trocknen gern bereit.
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