2017-01-05

Gedichte von L.Dreves: Drei Freunde (16)




Drei Freunde

Durch lachende Fluren gingen
Drei Freunde einst selbdritt,
Ein Jüngling und ein Greiser,
Einen Mann in ihrer Mitt.

Der Berge Spitzen glühten
Im gold'nen Abendlicht,
Doch alle Schönheit rührte
Den greisen Alten nicht.

Aus Waldesdunkel tönte
Der Nachtigall Gesang,
Doch nicht vernahm der Jüngling
Den wundersüßen Klang.

Versenkt in tiefes Sinnen
Schritt stumm einher das Paar,
Der prangenden Gegend Schöne
Ward nur der Mann gewahr.

Er pflückte Wiesenblumen
Und horchte der Nachtigall
Und stimmte in ihrer Weisen
Mit seines Liedes Schall.

Doch jener Beiden Stummheit
Verdross seinen fröhlichen Sinn,
Er sprach: „Was sinnt ihr, Freunde,
So eifrig vor euch hin?

Was senkt ihr eure Blicke
Nur immer erdenwärts?
Warum der Pracht des Himmels
Verschließt ihr Aug' und Herz?

Da sprach zu ihm der Alte:
„Ich denke der Jugendzeit,
Die mir dahin geschwunden,
Der schönen Vergangenheit,

Wo noch nicht Treu' und Glauben
Entflohen aus dem Land,
Wo man noch Recht und Freiheit
Und gute Sitte fand. „

Und weiter sprach der Jüngling:
„Es malen sich meinem Blick
Zukünftige schöne Zeiten
Und künftiges großes Glück,

Wo diese Welt beherrschet
Ein blühendes Geschlecht,
Wo jedes Land regieret
Ein neues, gutes Recht.“

Der Mann vernahm es lächelnd
Und sprach: „So mag es sein,
So wie ich denn alleine
Der Gegenwart mich freun.

Leb immer, guter Alter,
Nur der Vergangenheit
Und träume du, mein Jüngling,
Von der künftigen großen Zeit.

Ich aber lab' mich lieber
Am goldnen Lebensbaum,
Vergangenheit und Zukunft
Begrüß' ich nur im Traum. 
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