05.01.2017

Gedichte von L.Dreves: Ein Christabend (17)



Ein Christabend

Es scheint der Mond, der klare,
Die Mutter sitzt allein,
Was spricht für tiefe Pein
Aus ihrem Augenpaare?

Am Markt und vor den Toren
Da singen sie mit Schall:
„Zu Bethlehem im Stall
Ward uns ein Kind geboren.

Aus ihrem Augenpaare
Ein Strom von Tränen bricht,
Sie kann es hören nicht,
Das Lied, das wunderbare.

„Ward uns ein Kind geboren? „
Fragt sie und rufet: „Nein!
Mein Kind, so hold, so rein,
Ich hab'es heut' verloren. „

Das Lied, das wunderbare,
Weckt ihren tiefsten Schmerz,
Sie preßt an's wunde Herz
Ihr Kind mit blondem Haare.

„Ich hab' dich heut' verloren, „
Ruft sie, „dich meine Lust;
An meiner warmen Brust
Bist du erstarrt, erfroren. „

Dein Kind mit blondem Haare
(O Mutter, jauchze doch!)
Blick' her, es regt sich noch,
Es hebt sein Aug', das klare.

Bist du erstarrt, erfroren
Nun selber, Mutterherz?
O blicke himmelwärts
Zu dem, der heut' geboren.

Es sah' sein Aug' das klare,
Auf dich und deinen Harm-
Ihr lebend Kind im Arm,
So kniet sie an der Bahre.
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