05.01.2017

Gedichte von L.Dreves: Ein Grab im Frühling (18)



Ein Grab im Frühling

Nun decket rings das weite Land
Des frühen Sonntags Stille,
Die Siedelei am Felsenrand,
Aus frischem Grün die Ville
Und nebendran das Jägerhaus
Sie ruhen all in Andacht aus.

Im Felde lässt sich weit und breit
Kein menschlich Wesen sehen,
Die wunderbarste Einsamkeit
Blickte rings von allen Höhen,
Mir ist's, als säh aus blauem Zelt
Der liebe Gott auf seine Welt.

Doch horch! was regt sich in der Luft
Es steht der Wald erschrocken,
Den klingend über Feld und Kluft
Geh'n ferne Morgenglocken,
Drum weil kein Mensch im Felde ist,
Rauscht jeder Baum: Gelobt sei Christ!

Doch warum ist so dumpf der Klang
Als hätt wer ausgelitten?
Sieh, kommt nicht dort am Bergeshang
Ein Leichenzug geschritten?
Der wälzt sich fort mit seinem Schrein
Recht in den blüh'nden Frühling ' nein.

Dort auf dem Friedhof tut sich auf
Ein Grab in Rosenhecken,
Der Lenz streut all sein Blühen drauf,
Dem Aug' es zu verstecken;
Da scharr'n den Sarg sie ein zur Stund',
Mich schaudert recht aus Herzensgrund.

Dann aber wieder Alles still,
Der Leichenchor verklungen;
Ich weiß nicht, was ich soll und will,
Mir ist's an's Herz gedrungen;
Fast mögt' auch ich hier meinen Traum
Austräumen unter'm blüh'nden Baum.
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