04.01.2017

Gedichte von L.Dreves: An eine Rose (7)



An eine Rose

O wie unerwartet hier
Auf entlaubten Wegen
Blühst du, süße Rose, mir
Düftereich entgegen.

Und dazu blickst du mich an,
Als wollt'st du mich fragen:
„Willst du mich, geliebter Mann,
Mit nach Hause tragen?“

Liebes Röslein, welcher Schmerz
Hast du wachgesprochen
Mit dem Worte, dass mein Herz
O wie schnell! bestochen.

Meine Hand schon streckt' ich aus,
Rasch dich wegzupflücken,
Um mit dir mein stilles Haus
Freundlich auszuschmücken.

Aber Gott erbarme sich,
Dass ich inne worden,
Wie ich, pflückend, dich und mich,
Röslein, würde morden;

Dass du unter meinem Dach
Welkend müstest sterben
Und ich selber mit dir, ach!
Rettungslos verderben.

Denn ich schwur (lang' ist es her)
Einst mit heil'gen Schwüren,
Keine Erdenblume mehr
Liebend zu berühren.

Drum, mein Röslein, blühe du,
Fern von meinem Herde,
Einem schönern Glücke zu
Auf der schönen Erde.

Einst wird eine Hand dir nah'n,
Würd'ger als die meine,
All' dein Süßes zu empfahn,
Und dann möge keine,

Keine Zähre, frohe Braut,
Deiner Augen trüben,
Als die eine, welche taut,
Wenn wir glücklich lieben.

Und dann will ich inniglich
Preisen, tief gerühret,
Ihn, der also dich und mich
Treu und recht geführet.
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