2017-01-06

Gedichte von L.Dreves: Freundesworte (20)





Freundesworte

Eingehüllt von Schnee und Eise,
Starrte winterlich die Flur,
Nirgends in dem weiten Kreise
Wies sich eine Lebens Spur,
Ausgestorben schien die Erde,
Tod und finster und ich dacht',
Nimmer brächt' ein neues „Werde“
Ihr zurück des Lenzens Pracht.

Du verstandest dieses Bangen,
Schautest diesen heißen Drang,
Dieses sehnende Verlangen
Nach dem ersten Lerchensang,
Nach den ersten Knospenrinden,
Nach dem ersten Sonnenschein
Und du sparst: „Es wird sich finden,
Wird der Schnee geschmolzen sein.“

Aber Winter blieb es immer
Und das Herz blieb immer krank
Zweifelnd frug ich: Werd' ich nimmer
Zwingen diesen Schmerzensdrang?
Dieses Etwas überwinden,
Das an mein Leben frisst?
Doch du sprachst: „Das wird sich finden,
Wenn der Schnee geschmolzen ist.“

Und ich traute deinem Spruche
Und dein Spruch bewährte sich,
Aus dem weißen Leichentuche
Hob der Lenz sich jugendlich,
Da vernarbten alle Wunden,
Herz und Himmel wurden klar,
Alles hatte sich gefunden,
Als der Schnee geschmolzen war.

Wenn's dich wieder je gelüstet,
Dich zu stehlen in dies Herz,
Findest, Frost, du mich gerüstet
Mit des Freundes Liederscherz;
Sorg' und Kummer müssen schwinden,
Wenn nur nie das Herz vergisst:
Alles, Alles wird sich finden,
Wenn der Schnee geschmolzen ist.
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