06.01.2017

Gedichte von L.Dreves: Ich glaubt', ich würde heut' sie sehen (26)





Ich glaubt', ich würde heut' sie sehen

Ich glaubt', ich würde heut' sie sehen
Doch kam sie nicht, wie ich gedacht,
Wie muss ich nun so einsam gehen,
O einsam, einsam durch die Nacht.

Wie macht ein unerfülltes Hoffen
Ein Herz, das eben noch gesund,
Nur so auf einmal schmerzbetroffen,
O sterbensbang, so todeswund!

Ich fühl's, es liegt auf mir die Liebe
Wie ein Gewitter, dumpf und schwül;
Und doch! wenn's so nur immer bliebe!
Die Zeit hernach ist gar zu kühl.

Ich weiß, es macht das Weh' nur schlimmer,
Doch ist's ein schöner wilder Scherz,
Den Stachel tief und tiefer immer
Sich selbst zu bohren in das Herz.

Hier ist ihr Haus! wie ungestalten,
Ja wie heimlich steht es da!
Wie schwarz und Tod! man sollte es halten
Für einen großen Sarg beinah'.

O wär's ein Sarg und ich daneben
Der Ritter, der mit Wahnsinnsmacht
Sein totes Lieb ins warme Leben
Zurückgeküsst um Mitternacht.

Umsonst! Sie ruhet, hingebogen
Das Haupt auf ihrem weißen Arm,
Von leisem, losem Traum umflogen,
Auf ihrem Bettchen, weich und warm.

O könnt' in ihren Traum ich sehen,
Ein jeder Traum wär' ein Gedicht,
Doch Engel, welche Wache stehen
An ihrem Lager, dulden' s nicht.

Sie dulden' s nicht die lieben Engel;
Ja, käm' ein Traum und spräch von mir,
Sie scheuchten mit dem Lilienstengel
Ihn, einer Fliege gleich, von ihr.
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