07.01.2017

Gedichte von L.Dreves: Lied (33)




Lebensbild

Im Frühling, wenn die Welt, so weit
Mit Blütenschnee ringsum beschneit,
Uns anlacht wie eine ros'ger Traum
Und man sie sieht vor Blumen kaum:
Da zieht durchs junge Menschenherz
So ein Gefühl, halb Wonn', halb Schmerz,
Dass es hinaus treibt aus der Enge
Ins bunte, flutende Gedränge.

Im Sommer um die Mittagszeit:
Tieffstille, bange Einsamkeit,
Nur eine Turmuhr dann und wann
Trägt seinen Glockenton heran,
Dabei so schwül die Luft und schwer
Als ob ein Wetter nahe wär':
Im hohen Gras der Wand' rer ruhet,
Zum Sterben müde, undbeschuhet.

Im Herbste, wenn gelb das Blatt am Baum,
Wenn, wie ein ausgeträumter Traum,
Die Welt uns bang' vor Ahnung macht,
Die Winzerin im Weinberg lacht,
Die nichts von Ahnung weiß und will:
Da schaut der Wand'rer ernst und still
Von seiner nackten Bergeshalde
Die Wandervögel überm Walde.

Der Winter kommt, das Feuer sprüht
Im Ofen, wo das Würzbier glüht,
Die Kinder all' zu dieser Frist
Verlanget nach dem heil' gen Christ;
Der Wandrer aber, matt und krank,
Er lenkt zum Friedhof seinen Gang;
Will er auf diesem Weg gelangen
Zum Lenz, von dem er ausgegangen.

alle Gedichte von L.Dreves                                                                                                        weiter

              
 alle Gedichte nach Themen





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de