04.01.2017

Gedichte von L.Dreves: An Magdalena (8)



An Magdalena

Unfern vom Paradiese
Liegt eine Wiese grün,
Auf dieser grünen Wiese
Viel weiße Lilien blühn.

Und mit den weißen Blüten
Spielt eine Kinderschar
Um Gottes Engel hüten
Die Kindlein vor Gefahr.

Doch Abends, wenn es dunkel,
Da hebt aus nahem Moor
Mit höllischem Gefunkel
Ein Irrlicht sich hervor.

Das lockte gar zu gerne
Die Kindlein zu sich her,
Wenn nur das Licht der Sterne
Um Gott so nah' nicht wär'.

O Mädchen, auf der Wiese,
Wo Gottes Engel sind,
Warst einst du auch, wie diese,
Ein fromm unschuldig Kind.

Bis einst in böser Stunde
Dein guter Engel schlief,
Und dich zum sumpf'gen Grunde
Das Irrlicht lockend rief.

Du folgtest ihn wie trunken,
Es zog dich tief hinein;
O Kind, so tief gesunken,
Ach, und vordem so rein!

Auf hohem Berge stand ich,
Sah' sinken dich von fern'
Und tiefes Weh' empfand ich
Um dich, du schöner Stern.

Doch bald sah ich erbleichen
Dich unter Angst und Qual,
Da, dir die Hand zu reichen,
Riefst du mich auf einmal.

Und sieh'! ich sollt' dich hassen
Doch sieh' mich jammert dein,
Du bist so ganz verlassen,
Ich will dein Helfer sein.

Ich will mich dein erbarmen,
Dich lieben wie zuvor,
Ich will mit starken Armen
Dich zieh'n zu mir empor.

Dein Lehrer, dein Berater,
Dein Führer voll Geduld,
Helf' ich, ein treuer Vater,
Dir sühnen deine Schuld.

Ich will mit dir empfinden,
Wir teilen dein Schmerz,
Mit treuer Hand verbinden
Dein krank zerrissen Herz.

Und nimmer sollst du wissen,
Wie mir zu Muthe da,
Als ich herabgerissen
Dein helles Sternlein sah'.

Nein, betend wie ich falten
Die Hände, dass in Huld
Dir, armes Kind, behalten
Nicht sei die Sündenschuld;

Dass Gott dir Kraft verleihe
Auf neuer Lebensbahn
Und Alles dir verzeihe
Was du mir getan;

Das er im neuen Kleide
Der Unschuld wieder geh' n
Dich lass auf jener Weide,
Wo weist die Lilien steh'n.
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