08.01.2017

Gedichte von L.Dreves: Nach neun Jahren (37)




Nach neun Jahren

Seit bleich im Lebensmai
Tod küsste deine Wangen,
Neun Herbste sind vorbei
Seitdem an mir gegangen;
Neun Herbste erst! und schon
Hat in des Lebens Wogen
Vergessenheit dein Bild
Fast ganz hinabgezogen.

Nun weckt in meiner Hand
Der Kranz der Totenlieder,
Der einst dein Grab umwandt',
Mir die Erinn'rung wieder,
Wehmütig schau'n mich an
Der Schrift vergilbte Züge
Und wieder tut ein Schmerz
In Tränen sich im Genüge.

Wie einst ich bitterlich,
In Zähren mich verzehrte,
Möcht' ich (doch nicht um dich,
Du himmlische Verklärte)
Mit Tränen neue betau' n
Auf deinem Grab die Rosen,
Nein, nur um mich allein,
Den Irren, Heimatlosen.

Wie lag, eh' kalt und tot
Man dich zur Ruh' musst' legen,
Lichtgoldnes Morgenrot
Auf allen meinen Wegen,
Sie lag mein Heimatland
Sicher dir am Herzen!
Du gingst, da loschen aus
Auf einmal alle Kerzen.

Nacht ist's auf meinen Gang
Dann immerdar geblieben;
Wie irr' hab' ich und bang'
Mich durch die Welt getrieben!
Doch nichts erzielt, erstrebt,
Und nur, was ich besessen
Verloren, ach und dich,
Dich und mich selbst vergessen.

Nun schwingt von deiner Gruft,
Wie fern von Heimatsglocken,
Ein Klang sich durch die Luft
Und macht mich tief-erschrocken;
Wohl schwellt Heimweh das Herz,
Den Klängen nachzuschreiten,
Doch ach! es ist verirrt
Schon seit zu langen Zeiten.
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