08.01.2017

Gedichte von L.Dreves: Noch einen Kuss mir gib (39)




Noch einen Kuss mir gib

Noch einen Kuss mir gib
Und dann auf weichem Pfühle
Schlaf' wohl! wie ist zu schwüle
Die Sommernacht, mein Lieb!

Es regt sich nicht der See,
Es ist, als ob er träume,
Es zieht durch alle Bäume
Ein ahndungsvolles Weh.

Die Sehnsucht wie ein Dieb
Schleicht durch die Nacht, die schwüle;
Schlaf' wohl auf weichem Pfühle,
Schlaf' wohl, mein süßes Lieb.

Kennst du die Sehnsucht auch?
Sie ist ein Kind, ein scheues,
Und doch ein liebes, treues,
Sein Gang ist wie ein Hauch.

Es schleichet leis' umher
Um guckt in alle Ecken,
Als gält' es nun, zu wecken
Das ganze Elfenheer.

Und sieh! ein Äuglein klar
Schaut aus dem Kelch der Rose,
Und dort aus dunklem Moose
Hebt sich ein Flügelpaar.

So geht es fort und fort,
Aus allen Sträuchen schlüpft es,
Aus allen Kelchen hüpft es;
Sei Still und spricht kein Wort.

Schließ' deine Äuglein klar,
Mein Lieb, auf weichem Pfühle!
Es tanzet durch die Schwüle
Der Nacht die Elfenschaar.

Die Luft ist wonnewarm,
Die Blumenglocken klingen
Und Lieb' und Sehnsucht schlingen
Den Reigen Arm in Arm.

Der Mond mit bleichem Schein
Schaut nieder auf den Reigen,
Er möcht' vom Himmel steigen
Und auf der Erde sein.

Und mit den Augen hohl
Durch der Ruine Fenster
Sehn lüstern die Gespenster;
Schlaf' wohl, mein Lieb, schlaf' wohl!

Schlaf' wohl im Kämmerlein,
Schlaf' wohl auf weichem Pfühle,
Die Nacht ist bang' und schwüle,
Bald wird es Morgen sein.

    Gedichte von L.Dreves                                                                             weiter



                                                         alle Gedichte nach Themen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de