30.01.2017

Gedichte von Nikolaus Becker: Mut (35)




Mut

Lass den Mut du nicht erkalten,
Hoch das Haupt in Sturm und Flut!
Unglück, sagen unsre Alten,
Ist zu etwas immer gut.
In des Abgrunds tiefe Spalten
Musst du stürzen, junges Blut,
Eh' den Schatz du kannst erhalten,
Der verborgen dort geruht.-

Mit den Söhnen zog zum Kriegen
Einst ein Ritter, hoch zu Roß;
Grollend blieb im Bette liegen
Fieberkrank sein jüngster Spross,
Als die Helden reich an Siegen
Traf des Todes herb Geschoss,
Ist aus ihm der Stamm entstiegen,
Der noch blüht auf hohem Schloss.

Manchen hat das Meer betrogen:
Ob er rüstig widerstand,
Ward sein Schifflein doch gezogen
Zu der Klippe steilem Rand.
Alles nahmen dann die Wogen,
Doch er selber schwamm ans Land,
Wo ein Liebchen hold gewogen
Ungehofft der Fremde fand.

Manchem Sänger ist misslungen,
Was gelingen ihm gemusst;
Als wie sprödes Glas zersprungen
Seines Lebens Glück und Lust,
Hat er herrlich erst gesungen,
Frischen Geistes, selbstbewusst,
Und du hast so ganz durchdrungen,
Hehre Muse, seine Brust.

Des Gewölkes dunkle Falten
Säumet gern des Lichtes Glut,
Reich wird sich der Keim entfalten,
Drauf der Scholle Last geruht.
Lasst den Mut nur nicht erkalten,
Hoch das Haupt in Sturm und Flut!
Wahrheit ist der Spruch der Alten:
Unglück ist zu etwas gut!

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