2017-01-18

L. DREVES: FRÜHLINGSGRUß (17)



Frühlingsgruß

Der den Winter hindurch bei der Lampe Gequalm,
Unermüdlich auf Folianten gebückt,
Seine Zeit verbracht, jetzt grüßt er also
Dich, erwachenden Lenz,
Mit dem Erstlingsliede des Jahres:

„O Frühling, der du die erstorbene Erd'
Aufs Neue erweckst, erwecke auch da,
Wo die Liebe verriet, wo ein Freund betrog,
Das erstorbne Vertraun
Auf sittliche Würde der Menschheit.

Und wem in der Brust, weil Alles misslang,
Der Glaube erstarb an zukünftiges Glück,
Dem lass, wie am Ast des erstorbene Grün,
Aus der Seele empor
Auffschiessen erneuete Hoffnung.

Und den armen Mann, der mit sinkendem Mut
Aus dem bleichen Gesicht seines Weibes errät,
Dass der Vorrat zu End', den tröste das Lied,
Das erfreuliche, des
Von Gott durchwinterten Sperlings.

Den Zweifler locke Maiglockengeläut'
In des Waldes Dom, wo am Felsaltar
Natur versieht das heilige Amt,
Wo ein Gießbach harft
Zum tausendstimmigen Credo.

Doch mir, oh Lenz, mir erhalte, was nicht
Die Welt mir geraubt, nur zu rauben versucht,
Ein vertrauend Gemüt, einen fröhlichen Sinn
Und ein gläubiges Herz
Bei Mut und zeitlicher Weisheit. „

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