18.01.2017

L. DREVES: Frühlingsmelancholie-3 (21)



3.

Ich möchte so gerne was singen,
Weil's überall singet und klingt
Ich möchte so gerne mich zwingen
Zum Jubel, der Allen gelingt,
Ich möchte so gerne bereden
Den Lenz in die Brust mir hinein,
Er zieht ja ins Herz einem Jeden,
Was tat ihm denn meines allein?
Ich möchte so gerne vergessen
Was Alles mich quälet und drängt,
Und hab' ach! den Stachel statt dessen
Nur tiefer ins Herz mir gezwängt.
Was halfs nun, dass ich ersehnte
Den Frühling mit bänglicher Hast,
Dass ich genesen mich wähnte,
Sobald nur voll Blüten der Ast?
Was halfs nun, dass ich in Mitten
Begrub mich der Waldeinsamkeit?
Mein Schatten ist nach mir geschritten,
Mein treuer Gefährte, mein Leid.
Da steh' ich nun, trüb und verdrossen,
Zwischen Gärten und blühenden Au'n,
Und weiß nicht, soll den Genossen
Ich meinen Kummer vertrau'n?
Die woll'n ja die Erde durchschweifen,
Wie die Wolke den himmlischen Raum,
Und würden mich doch nicht begreifen,
Versteh' ich doch selber mich kaum.
Nein, lieber die Augen zudrücken,
Nicht glauben, dass Frühling es sei,
In Trauer sich ganz zu ersticken
Recht mitten im blühendem Mai.

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