18.01.2017

L. DREVES: IN FREMDER STADT (23)



In fremder Stadt

Ich stand am Fenster alleine
O wurde zu schauen nicht satt;
Tief unten im Mondenscheine
Welch eine prächtige Stadt!
Paläste mit Säulenhallen,
Der Kirchen ehrwürdige Pracht
Und träumerisch über dem Allen
Die dämmernde Maiennacht.

Hier auf dem Balkone zu schauen
In schimmernd weißem Gewand
Die wunderschönste der Frauen,
Die flechtet ihr Haar mit der Hand;
Aus ihren Augen, den feuchten,
Ein Strahl herüber mit Macht,
Gleich nächtlichem Wetterleuchten,
Zuckt durch die romantische Nacht.

Dort Gärten und Laubengänge
Voll heimlich flüsternder Ruh',
Voll flötender Nachtigallnklänge
Und rauschende Brunnen dazu;
Fantastisch unter den Bäumen
Stehn Götterbilder von Stein
Und lächelnd blickt wie in Träumen
Die mondlichte Maiennacht drein.

O wunderbarlich, zu blicken
In fremde Gegend bei Nacht!
Mir ist's, als woll' es umstricken
Die Seele mit heimlicher Macht;
Und was nur im Traume erfunden
Und sonst nur erblickt wird im Traum,
Das Alles schau' ich verbunden
Dort unten im nächtlichen Raum.

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