2017-01-17

L.Dreves: Der Wandermüde (11)



Der Wandermüde

Leise rauscht es in den Bäumen
In des Waldes Einsamkeit,
Wo die wilden Bäche gehen
und verworren wie in Träumen
Reden von der alten Zeit,
Dort mögt' ich noch einmal stehen,
Schauend in die Gegend weit.

Einst stand ich an jener Stelle,
Pflückte Blumen mir zum Strauß
Und da sah ich aus der Ferne,
Wie ein rüstiger Geselle
Abschied nahm vom Vaterhaus,
Und da dacht' ich: o wie gerne
Zögst du so zum Land hinaus.

Später hab' ich auch geschlagen
Durch die Welt mich irr und bang',
Ringend nach dem schönen Glücke,
Daß ich wähnte zu erjagen
Und mir dennoch nicht errang,
Bis ich endlich kehrt' zurücke
Matt und müde, arm und krank.

Einmal nur noch zög' ich gerne
Dorthin, wo im Walde tief
Jener rüstiger Geselle
Sehnsucht nach der blauen Ferne
Wach in meinem Herzen rief,
Aufzuschlummern an der Stelle,
Wo so sanft als Kind ich schlief.

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