2017-01-17

L.Dreves: Die Geiger vom Prag (12)



Die Geiger vom Prag

Der Frühling schwebt nieder
Über Felder und Kluft,
Vom Jubel hallt wieder
Die tiefstille Luft,
Die Ströme nun gehen
Mit munterm Gebraus,
Hohe Wartburgen sehen
Ins Land weit hinaus.

Nun nehmen ihre Geigen
Die Spielleut' zur Hand,
Über die Berge sie steigen
Musizierend ins Land,
Sie blasen und spielen
Vor manch' lieber Tür,
Viel Blauaugen schielen
Hinterm Zaune herfür.

Ihr Leut' mit den Geigen,
Ihr herzlieben Leut',
Sagt, wollt ihr erzeigen
Mir wohl eine Freud'?
Von den Liedern, den vielen,
Die ihr geiget so fein,
Wollt eins nur aufspielen
Meiner Liebsten am Rhein.

Ihr Leut' nur das eine,
Es ist ja nicht schwer,
Ihr wisst wohl, ich meine:
„Wenn ich ein Vöglein wär.“
Wenn Sie das hat vernommen,
Denkt sie sicherlich mein,
Eine Träne wird kommen
In ihr Blauaug' hinein.

Ihr Spielleut' nun schreitet
Getrost euren Steg,
Der Frühling geleitet
Euch selbst auf dem Weg,
Die Ströme sie reisen
Voran mit Gebraus,
Hohe Wartburgen weisen
Ins Land weit hinaus.

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