19.01.2017

L.Dreves: Erster Traum-8 (33)




8.

Wir saßen beid' am Fenster
Zur kalten Winterzeit,
Es lag vor unserm Blicken
Die Gegend eingeschneit.

Und Alles sah so trübe,
So frostig und so kalt,
Die Wiesen und die Felder
Das Bächlein und der Wald.

Allein im warmen Stübchen
Da war's so übel nicht,
Ich hielt im Arm die Liebste
Und sah ihr ins Gesicht.

Und sah' ihr stumm ins Auge,
Ihr Auge gab dafür
In seinen engen Rahmen
Zurück die Landschaft mir.

Die gegen war's, dieselbe,
Doch nicht mehr winterlich,
Zum Frühlingsbild verwandelt
Hatt' sie im Auge sich.

Die kahlen Bäume grünten,
Grün war die weiße Au',
Das starre Bächlein rauschend,
Der trübe Himmel blau.

Des Eises bunte Knospen
Sie schienen Obst und Wein
Und über Alles strahlte
Ein goldner Sonnenschein.

O Auge meiner Liebe,
Was schon zu Eis erfror,
Es strahlt aus deinem Spiegel
In Frühlingspracht hervor.

O Auge meiner Liebe,
Wär' doch die ganze Welt
Wie sie in dir sich malet:
Wie schön wär' sie bestellt.


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