2017-01-16

L.Dreves: Frühling, Wald und Wanderschaft-Auferstehung (5)



Auferstehung

Wird mich getötet haben
Die Welt mit ihrem Leid,
Soll man mich hier begraben
Tief in der Einsamkeit.
Zieht dann auf seiner Reise
Der Lenz durchs weite Land,
Pocht er bei Nacht ganz leise
Ans Grab mit seiner Hand.

Dann steig' ich voll Verlangen
Hervor und blick umher,
Der Mond ist aufgegangen,
Der kennt mich wohl nicht mehr,
Der Wald nur flüstert leise:
„Den hab' ich schon geseh'n!“
Die Blumen rings im Kreise
Schlaftrunken mich umstehn.

Ich aber setz' mich nieder
Auf einen moos'gen Stein
Und singe Frühlingslieder
Grad in die Nacht hinein
Und meine Klänge locken
Die Vöglein all' heran,
Die Rehe, halb erschrocken,
Sehn mich verwundert an.

Und sind dann meine Lieder
Verklungen in der Luft,
Leg' ich mich ruhig wieder
Zurück in meine Gruft,
Zu schlummern unterm Moose,
Bis mich im Jahr darauf
Aufs Neu' der Lenz, der lose,
Pocht von den Toten auf.

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