2017-01-21

L.DREVES: GRUND DER TRAUER (48)




6. Grund der Trauer

Ich ging im dichten Eichenwalde,
Die Dunkelheit ward mir zu Pein,
Da dacht' ich: auf des Berges Halde
Da wird es frischer, freier sein.

Doch auf dem Berge angekommen,
War's dort auch nicht nach meinem Sinn;
Da frug's aus mir hervor beklommen:
Wie kommt's, dass ich so traurig bin?

Und selber wusst' ich's nicht zu sagen,
Wo her das Bangen mochte sein,
Bis plötzlich mirs begann zu tagen,
Da merkt' ich erst: ich war allein.

Da dacht' ich mir: wie wär' es prächtig,
Wenn doch die Eine mit dir wär',
Es wär' der Wald nicht mehr so nächtig,
Die Welt nicht mehr so freudenleer.

Dann ging's beim ersten Morgenlichte
Noch eins so froh ins Land hinein;
Ich sprachs-mit trübem Angesichte
Schaut' ich ins Tal voll Sonnenschein.

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