28.01.2017

Nikolaus Becker: Hummeln und Libellen (25)









Hummeln und Libellen

Wie flatterst du, Libelle,
Mit leichtem Unbestand
Bald um des Baches Welle,
Bald um der Blume Rand!

Mit des Gedankens Schnelle,
Mit ewig heiterm Spiel,
Bis dass du trafts die Stelle,
Die deinem Wunsch gefiel. 

Am Schilfe, dass sich bieget 
Bis zu der Welle Schaum, 
Dort sitzt sie sanft gewieget 
Nun regt den Flügel kaum. 

Nicht lange wirst du bleiben, 
Die Hummel naht sich schon, 
Dich mürrisch aufzutreiben 
Mit ihres Unmuts Ton. 

Sie hat auf saurem Wege 
Geschafft, im heißen Strahl;- 
Sie schilt, du fliehst, oh Träge, 
Geschreckt von der Moral. 

Du lustige Libelle, 
Wir sind einander gleich, 
Du an des Baches Welle, 
Ich in der Träume Reich. 

Zu flattern und zu schweben, 
Das ist auch meine Lust, 
Nur so wird mir das Leben 
In Freude erst bewusst. 

Mich gänzlich zu versenken 
In tiefes Sinnen nun, 
Mit allem Fühlen, Denken 
Auf Einem Punkte ruhn, 

So lieb' Ichs, ohne Zügel 
Wie du im Sonnenhaus, 
Es breitet gern den Flügel 
Die Seele lässig aus. 

Da kommen, ach! die Hummeln 
Geflogen um mich her, 
Mich unsanft aufzubrummeln 
Zur Arbeit plump und schwer.

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