2017-01-29

Nikolaus Becker: Ländliche Bilder-2. Der Bettler (27)




2. Der Bettler

Er hat die Frühlingswonne mir verdorben,
Der alte Bettler an dem grünen Hag,
Wie er so einsam, weltgeschieden lag,
Mit seinem Blicke kalt und abgestorben.

Wohl mühten sie sich, mild es zu verdecken,
Das hohe Gras, der Blumen reicher Flor;
Wie sie sich rankten auch daran empor,
Das Bein von Holz, ich konnt' ist doch entdecken.

Und über ihn mit neu entsproßter Blüte
Der Apfelbaum, so voller Rosenpracht!
O, keine Blüten solcher Seelennacht,
O, Farben nicht solch finsteren Gemüthe!

Wenn dich der Winter schüttelt, die Gewalten
Des Sturmes wild die Krone dir erfasst,
Dem blütenlosen, blätterleeren Ast,
Den senke nieder auf das Haupt des Alten!

„Nimm diese Silberstücke, eh' ich scheide. „
Er ließ sie lässig fallen in den Hut;
Der kaum genickte Dank, wie stand er gut
Den Fetzen noch von seinem Kriegerkleide!

Er senke tief dem Blick in die Ruinen
Versunkner Herrlichkeit. Der hat erlebt,
Das Lächeln einst um diesen Mund geschwebt,
Auf dieser Wange Freudenglut geschienen?

Vor manchem Schönen, was der Tod gefodert,
Die Steine künden an der Grüfte Rand-
Auf seiner Stirne tief gezeichnet stand,
Was unten in der stillen Brust vermodert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de