2017-01-29

Nikolaus Becker: Ländliche Bilder-3. DIE MÜHLE (28)




3. Die Mühle

Still liegt die Mühle wie am Ostertag,
Ich höre nicht die flinken Räder klappen,
Ich sehe nicht die grauen Müllerknappen;
Welch Fest man drinnen wohl begehen mag?

O, wäre ich doch nicht hineingegangen!
Des Müllers Kind, mit weißem Kleid geschmückt,
Das sanfte Aug' vom Tode zugedrückt,
Lag auf den Schragen mit verblassten Wangen.

Der Alte saß im Winkel halb versteckt,
Hinstarrend nach der trüben Leichenkerze,
So bleich und stumm, beraubt der losen Scherze,
Womit er sonst den Kommenden geneckt.

Es hielt der Jüngling, traurig ihr zu Füßen,
Voll Tränentau den weißen Rosenstrauß,
Die letzte Zierde für der Schlummerhaus,
Der letzte, ach! von seine Liebesgrüßen.

Nicht allzu lang, dass er entgegen kam
Der holden Jungfrau auf der grünen Wiese,
Mit frohem Blick, mit Blumen sowie diese;
Die freudig sie aus seinen Händen nahm.

Wie schauerlich! Nichts regt sich in dem Hause,
Wo sich das Leid gelagert, ernst und schwer;
Nur draußen rauschte durch das offne Wehr
Gleich Klagegesang der Wellen dumpf Gebrause.

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