06.02.2017

A. Donath-Menschen und Liebe: Zwei Gemälde vom Dorfe (14)



Zwei Gemälde vom Dorfe

Draußen heult der Sturm. Der Regen
Schlägt ans Tor der Bauernschänke,
Und die alten morschen Bänke
Zittern, wenn die Fenster klirren.

In der Ecke hockt der Gastwirt,
Zuckt zusammen wie ein alter
Invalide, wenn ein kalter
Windstoß an der Klinke rüttelt.

In der andern Ecke trinken
Bauern ihren Branntwein, spielen
Würfel. Wenn sie glücklich spielen,
Füllt der Wirt die hohen Gläser.

Und man würfelt bis zum Abend,
Bis die dunkelgrauen Schatten
Diese rohen nimmersatten
Spielern ihre Luft verderben.

Gähnend recken sie die Hände,
Warten, bis die Lichter flammen,
Werfen dann ihr Spiel zusammen,
Unter wird füllt neue Gläser….

Draußen heult der Sturm. Der Regen
Schlägt ans Tor der Bauernschänke,
Und die alten morschen Bänke
Zitternd, wenn die Fenster klirren.

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Am Sommerabend, wenn im Dorfe
Die Bursche bei den Mädchen sind,
Und wenn im tiefen, stillen Teiche
Des neuen Monds gespensterbleiche
Halbsichel schattenhaft zerrinnt,

Wenn von den schlanken Silberpappeln
Glühwürmchen in die Büsche gehn,
Nachtfalter durch die Scheune schwirren,
Die Tauben auf den Dächern girren,
Die Hunde an den Ketten stehn;

Wenn nach der harten Tagesarbeit
Dem Knecht die Tabakspfeife schmeckt,
Und wenn er später in der Ecke
Der Küche oder in der Hecke
Des Gartens seine Stallmagd neckt:

Da singt der Hirt des Volkes Lieder.
Die klingen bald von Glück und Licht,
Bei tönen sie wie stummes Klagen,
Bald wie ein Fluch, wie ein Versagen
Des Schwures, den die Liebe spricht.

Ende


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