2017-02-14

A. Friedmann: Jahreszeiten-Herbstlieder-1 (9)



Herbstlieder

1

Ein Himmel voller grauer Sorgen,
Eintönig wie das Lied vom Leid!
Die Eichen stehn im Wintermorgen,
Rotfärbig noch im Blätterkleid.

Die Roßkastanie Goldgewande
Schmiegt Tannendunkelgrün sich an;
Ein Goldfeld ist das Laub im Sande,
Vom Lenz zeugt nur der Wiesenplan

Der ist noch grün, sowie das Hoffen,
Das in dem Menschen nie erstirbt,
Wenn sein geschaufelt Grab schon offen,
Wenn rings der Tod ums Leben wirbt!

Ich bin allein in diesem Sterben,
Kein Träumer träumt sich hier heraus;
Vergessen will der Mensch den herben,
Gewalt'gen Schmerz im Stadtgebraus.

Still wie ein Grab! Nun raschelt leise
Ein Blatt, fünffing'rig, von dem Ast,
Zieht in der stillen Luft noch Kreise,
Auf Leichen legt's die leichte Last!

Nun singt, gleich eines Schwanes Flügen,
Auch mir vom Lebensbaum ein Blatt,
Worauf in unsichtbaren Zügen
„Verwelken“-Gott geschrieben hat!

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