2017-02-07

A.J.Schindler (v.d.Traun) : Daheim in der Stadt (6)



Daheim in der Stadt

Die dumpfe Stadt hält mich gefangen,
Ade, du ländlich stille Flur,
Von deinem unschuldvollen Prangen
An diesem Mauern keine Spur!

Kaum, dass der Wind das Land durchwehend,
Vom Baume riss im raschen Flug
Ein Blatt, verwelkend und vergehend,
Und übers Tor herüber trug.

Dort fliegt es hin im Nachtgefunkel
Des Mondes, der im Brunnen glänzt,
Und mahnt mich an das Waldesdunkel,
Das meiner Liebsten Schloss begrenzt.

Mein Wald! Du hast uns oft gespendet
Ein grünes Obdach, liebevoll;
Jetzt hast du mir dies Blatt gesendet,
Das wie ein Bote reden soll.

Mein Wald! Ich kenne deine Klage
und was die traf, es traf auch mich:
Verdorrt, verwelkt und stumm, so trage
Wie du den Herbst im Herzen ich.

Ich bin ja selbst von deinen Bäumen
Geschieden wie dies welke Blatt,
Das jetzt an diesem fremden Bäumen

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