2017-02-07

A.J.Schindler (v.d.Traun) : Die Königskinder (8)



Die Königskinder

Zwei blonde Königskinder
Die liebten sich so sehr,
Doch zwischen beiden wogte
Das weite blaue Meer.

„Mein Herz, kannst du nicht schwimmen?
Mein Herz so schwimm zu mir!
Ein Licht an meinem Fenster
Soll weithin leuchten dir.“

Die Fackel stand am Fenster,
Der Wind vorüber lief
Und blies sie aus; der Jüngling
Ertrank im Meere tief.

Da kam der Sonntagmorgen
Und Alles war so froh!
Der König sprach: „O Tochter,
Was trauerst du denn so?“

„Ach Vater, lieber Vater,
Der Kopf tut mir so weh;
Könnt' ich spazieren gehen
Dort unten an der See? „

„Willst du vom Felsenufer
Die weiße Brandung sehn'
So wecke deine Schwester
Und heiss' sie mit dir geh'n.“

„O Vater, was mir fehlet,
Das heilt nicht Woge noch Wind-
Lass meine Schwester schlafen,
Sie ist ja noch ein Kind.“

„So geh zum Strand, dort singen
Die Vöglein weit und breit;
Doch wecke dein Bruder,
Er gibt dir das Geleit.“

"O lass die Vöglein singen,
sie singens in den Wind;
Lass meinem Bruder schlafen,
Er ist ja noch ein Kind.“

Mein Fischer willst du fischen
Um einen reichen Lohn,
So fisch' mir aus den Wellen
Den blonden Königssohn.“

Der Fischer warf die Netze,
Und fuhr am Strande hin,
Und als er zog, da ruhte
Der Königssohn darin.

Die teure Leiche presste
Sie an ihr Herz voll Glut:
„O Liebster, wenn du lebtest;
Wär alles wieder gut.“

Drauf schenkte sie dem Fischer
Die Krone und den Ring:
„Was ist so eine Krone
Doch für ein armes Ding.“

Sie ließ den Mantel fallen
Und sank hinab ins Meer,
Die Wellen tanzten lustig
Im Winde drüber her.

Das war ein Glockenläuten,
Ein Jammer, eine Not:
„Am Strande unten liegen
Zwei Königskinder tot.“

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