07.02.2017

A.J.Schindler (v.d.Traun) : Die wunde Braut (11)



Die wunde Braut

Graf Friedrich ritt so rasch und kühn
Mit seiner Braut durch Waldesgrün:
„Wollt freundlich diesen Düften
Den seidnen Schleier lüften.

"Gar einsam ist der Forst zur Stell',
Geliebter Graf-ihr trabt zu schnell!
Der Herrn, die uns begleiten,
Mag keiner uns erreiten.“

„Vergesst den Tross, geliebte Braut,
Auf meine Lieb und Kraft vertraut
Und auf mein Schwert, das breite,
An meiner linken Seite.“

Er hielt den Zaum, hob sie vom Roß,
Von Antlitz ihr der Schleier floss;
Sie lag vor Liebe trunken,
An seine Brust gesunken.

Als er sie küsste unverwehrt,
Fuhr aus der Scheid sein breites Schwert
Und wie der Blitz der Lüfte
An ihrer weise Hüfte.

„O weh, der unbewachten Stund'!
Von euren Küssen bin ich wund,
Mein Blut muss ich vergießen,
In diese frischen Wiesen.“

Der Graf trug Wasser in dem Hut,
Zerriss, zu stillen ihr das Blut,
An übergroßem Leide
Sein Kleid von Gold und Seide.

Er hob sie seufzend auf das Roß,
Inzwischen naht sein stolzer Tross,
Und wieder ging es munter
Den wald'gen Hang hinunter.

"O schöner Braut, Ihr sitzt so lass,
Ihr seufzte schwer, ihr seht zu blass!"
„O Heer, sagt Euren Leuten,
Das Sie gewachsam reiten."

Die Herren ritten nun gemach,
Doch einer leis zum andern sprach:
„Sollt ich ein Bräutchen haben,
Das müsste lustig traben.“

Sie kamen an des Waldes Rand,
Da lag des Grafen reiches Land,
In Gärten mitten drinnen
Erhob sein Schloss die Zinnen.

„Kommt! meine Mutter war bedacht,
Zu rüsten stolzer Feste Pracht.
"Was man auch dort gerüstet,
Zu schlafen mich gelüstet.“

„Gar stolz ist meine Mutter. Rafft
Empor des Herzens letzte Kraft,
Ihr heut Bescheid zu tuen,
Dann könnt Ihr immer ruhen.“

„So will ich stark und fröhlich sein,
Und niederringen meine Pein;
So will ich noch im Sterben
Ihr stolzes Herz erwerben.“

Und als sie ritten durch das Tor,
Da trat die alte Gräfin vor
Bei gold'ner Fahnen Wallen,
Bei Festdrommeten-Schallen.

„Mein einzger Sohn, so frisch und traut,
Wie abgelebt ist deine Braut!
Sie starrt mich an und zittert,
Ihr Kleid ist ganz zerknittert!“

Sie traten in den hellen Saal,
In Goldgeschirren stand das Mahl,
Man sah bei Blumenkränzen
Kristallpokale glänzen.

„Mein Sohn; die hat ein welk Gesicht!
Ich reich' ihr Wein, sie trinkt ihn nicht,
Ich bot ihr Obst und Kuchen,
Sie will kein Stück versuchen.“

„Nun greift zur Fiedel, Geiger streicht
Den Tanz der Freudesatten. Weicht
Zurück-wir wollen sehen,
Wie viel sie mag verschmähen.“

Die Braut kein Wort vernommen hat,
Und als er sie zu tanzen bat,
So sprach sie zu dem Grafen:
„O lasst mir leuchten schlafen.“

Da rief die Alte zornesrot:
„Das bringt mein Haus in Schand und Not!
Darf eine Braut in Ehren
Zu Bette laut begehren?!“

Die Braut sich hob in großer Qual,
Sie wankte grüßend aus dem Saal,
Zwölf schöne Edelknaben
Ihr vorgeleuchtet haben.

Und als man sie zu Bett gebracht
Sie sprach: „O Graf, nur diese Nacht
Lasst mich als Jungfrau liegen,
Will mich dann allzeit schmiegen.“

„Wenn Gott mir schenkt mein Leben jung,
Soll dienen euch meinen Leib genung.
Dass Gott ihn Euch behüte
In immerfrischer Blüte!“

Der Graf nahm ihre kalte Hand,
Sie kehrte das Gesicht zur Wand;
Mag Keinem je auf Erden
So trübe Brautnacht werden!

Als zu der alten Gräfin drang
Der Morgenglocke erster Klang,
Rief sie die Edelknaben:
„Bringt her die Morgengaben.

Hin zu der überreifen Frucht
Ich lehre sie, was Sitt und Zucht;
Zerwühlen will der Losen
Ich ihrer Brautnacht Kosen!“

Doch als die Gräfin zu ihr kam,
Die Braut kein übles Wort vernahm;
Da war sie schon verschieden
In Gottesnamen und Frieden.

Es leuchtete in sanftem Schein
Ihr hingeströmtes Blut so rein,
Wie von der Weste Kosen
Umhergestreute Rosen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de