08.02.2017

A.J.Schindler (v.d.Traun) : Eine Nonne (13)





 Eine Nonne

Sie saß gar still im Kahne,
Sein Arm hielt sie umfasst;
Wann hat der Rhein getragen
Bei raschem Ruderschlagen
Wohl eine schönre Last?!

„Wirf hin den kleinen Bündel,
Den Stab aus deiner Hand;
Sollst dich in Seide schmiegen
Stolz durch dein eig'nes Land.“

„Sahst du mein Schloss zu Bingen
Sie spiegeln in dem Rhein?
Zu seinen goldnen Ballen,
An meinen Forsten allen,
Dort sollst du Herrin sein!“

"Es brechen Gold und Seide,
Es fällt das höchste Haus;
Euch segne Gott, Herr Ritter,
Bei jenem Gartengitter
Des Klosters steige ich aus“

Und als sie trat ins Kloster,
Da rief er durch das Tor:
„Mein Schifflein treib ich weiter,
Jetzt hol ich Trompeter und Reiter,
Und zwingt' dich wieder hervor!“

Er stand im Ahnensaale,
Die Mannen traten ein.
„Auf, wappnet euch aufs Beste,
Ich reite aus der Veste,
Mein schönes Lieb' zu frein.“

Da ward der edlen Stein,
Des Goldes nicht gespart;
Man sah aus grünen Reben
Die weißen Federn schweben,
Sie ritten blank geschaart.

Sie kamen vor das Kloster,
Auf einem weiten Plan;
Voran die Jägerbuben,
Die braunen Rüden huben
Ein fröhlich Jagen an.

Die Falkoniere ritten,
Die Vögel auf der Faust;
In ihren Tressenkleide
Sind sie auf grüner Heide
Tollmutig hingebraust.

Sie warfen endlich jauchzend
Die Falken über sich;
Die Träger unten trugen
Die Teppiche, sie schlugen
Ein Zeltdach, königlich.

Dort saß der Graf und zechte,
Bis niederging der Tag;
Die Silberhörner klangen
Und edle Sänger sangen
Zu goldnem Harfenschlag.

Gesänge und Gepränge,
Ach-sie vergingen nicht!
Nicht rief der frohe Flitter
Ans schwarze Fenstergitter
O schönes Angesicht.

Da sprang der Graf zu Rosse
Und schlug ans Klostertor:
„Den Bronnen meiner Wonnen
Bringt mir, die jüngste der Nonnen,
O führt sie mir hervor.“

Die Pförtnerin, die alte,
Sprach: „Die ist Christes Braut.
Die bring ich nicht zur Stelle,
Sie kniet in ihrer Zelle
Und lobt Gott überlaut.“

„Was kann Gott lauter loben,
Als meine Lieb es tut!?
Gott loben meine Hände,
Wenn sie durch diese Wände
Schleudern die helle Glut.“

Da kam die Liebste selber
Im grauen Nonnengewand;
Sie sah so fremd und steinern,
Sie trug ein alt und beinern
Trinkhorn in ihrer Hand.

„Wir führen keine Waffen;
Was brächt' es uns Gewinn
Fernab vom Weltgetriebe?
Trinkt diesen Trunk der Liebe
Und zieht in Frieden hin.“

Der Graf führt unter Tränen
Das Trinkhorn an den Mund:
„dir bring ich's Ungetreue,
Gott schenke dir die Reue. „
Er leert's bis auf den Grund.

„Was ist's das wie mit Dolchen
Mein Herz von Innen trifft!
Es brennen wilde Flammen
Die Lungen mir zusammen-
O weh! du gabst mir Gift.“

„Gift!! solche Waffen schmieden
Vom Weltgetrieb' entfernt.
Zum Trutze gegen Stürme,
Zum Schutze eurer Türme,
Du hast es schnell gelernt.“

„Ihr tötet mich um Liebe“
Ihr Mönch und Nonne grau
Kennt euren Feind: die Liebe!
Die Liebe dräut-die Liebe
Bricht euren Riesenbau.!

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