2017-02-08

A.J.Schindler (v.d.Traun) : Fürstensorge (14)





Fürstensorge

Und als der Herzog Albrecht kam
Zu Straubing auf die Brücke,
Ist aufgewacht sein alter Gram,
Er riss sein Pferd zurücke;
Drauf gab er ihm die Sporen
Und sprengte drüber hin:
„Hätt ich dich nie verloren,
Du schöne Bernauerin!

Da ragt sie noch die alte Au,
So maigrün wie vor Jahren;
Du liegst im Grabe, schöne Frau,
Wo Schiffe drüber fahren,
Wo drüber kommt gezogen
Der Wellen blonde Schaar-
So floss in sanften Wogen
Dein gold'nes Lockenhaar.

Mein Land regier' ich ohne Müh'
Da gibt's nicht viel zu schaffen,
Die Kanzler schreiben spät und früh,
Der Ritter braucht die Waffen;
Die Bürger sitzen friedlich
In ihrem reichen Haus,
In Stuben traut und niedlich-
Dort rissen sie dich heraus!

Geht manches schöne Bürgerkind
Zu München auf der Straßen,
Ist doch mein Aug' für Reize blind
Seit Agnes mich verlassen!
Mein Bayerland mag lenken
Des Himmels kluge Macht,
Ich hab an Sie zu denken,
An Sie bei Tag und Nacht!

Der Herzog ritt auf grünen Hain
Und nebenan im Acker
Fuhr mit dem Pflug ein Bäuerlein
Das rackerte sich wacker.
Als dieses sah, wie kläglich
Sein Herr zu Rosse saß,
Ward es gerührt unsäglich,
Bekam die Augen nass:

„O Fürst, mein Aug' in Tränen schwimmt!
Du schaffst uns Heil und Frieden,
Um unser Glück der Kummer nimmt
Dass deine dir hienieden.
Was uns du still bereitest,
Dess hast du dich beraubt:
Der du in Sorgen reitest,
Gesegnet sei dein Haupt!“

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