08.02.2017

A.J.Schindler (v.d.Traun) : Isabella-2 (20)





  2.


Falke, hätt' ich deine Flügel,
Deinen unbezwung'nen Sinn,
Flög' ich über Tal und Hügel
Zu der schönen Dame hin.
Fröhlich würde sie mich tragen
Über sich auf weißer Hand,
Und auf ihrem Zelter jagen
Durch das maiengrüne Land.

Wenn des Reigers Schneegefieder
Rauschend überholt mein Flug,
Mit der Beute sänk' ich nieder
Stolz auf ihres Rosses Bug.
Daß ich ihr so ferne weile,
Gramversunken, flügellahm,
Tief verwundet von dem Pfeile,
Der von ihrem Bogen kam!

Drüben hinter jenem Walde
Geht das frohe Jagen auf,
Ritter sprengen auf der Halde —
Sie voran im schnellsten Lauf!
O der holden Gunstbezeugung,
Wenn sie dem Beglückten dankt.
Und mit ihres Hauptes Neigung
Ihre Feder niederschwankt.

Könnt' ich nur von ferne sehen,
Wie sie sich im Sattel wiegt,
Wie die dunklen Locken wehen,
Wie der zarte Schleier fliegt!
Hören nur ihr munt'res Rufen
Klingend durch den grünen Hag,
Nur von ihres Rosses Hufen
Fern verhallend einen Schlag!

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