2017-02-10

A.J.Schindler (v.d.Traun) : O weh, das Geld (28)



     O weh, das Geld

Mein junges Herz ist traurig,
Wie tief verlass'ne Flur,
Von der die Winde fegten
Des Sommers letzte Spur.

Steht auf hohem Berge
Ein alter Lindenbaum,
Dort haben wir verträumet
Der Liebe kurzen Traum.

Dort saßen wir mitten im Glücke
Und mitten im Monat Mai,
Ich und mein Liebchen und singend
Saßen die Vöglein dabei.

Im Tale wogende Saaten,
Es rauschte der breite Fluss,
Lenzblumen aus offenen Fenster
Winkten mir gastlichen Gruß.

„Es reift die junge Liebe
Das frohe Erntefest,
Dann sitzen wir unten im Hause,
Wie Vöglein in dem Nest.“

So sprechend nährte mein Liebchen
Der Seele schüchternen Traum,
Und die Träumenden überschneite
Mit seinem Blüten der Baum.

Die Erntezeit ist gekommen-
Mir brachte sie keinen Genuss,
Die Körner sind ausgedroschen-
Sie wurden verschifft auf dem Fluss.

Es kam ein reicher Händler,
Hat Alles bar bezahlt-
O weh! das Geld hat die größte,
Die allergrößte Gewalt!

Die Linde hat verloren
Das letzte grüne Blatt,
Und auf dem letzten Schiffe
Mich Liebchen verlassen hat!

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