10.02.2017

A.J.Schindler (v.d.Traun) : Waldfabel (34)





 Waldfabel

Im Wald geht eine Mühle,
Im herbstlich bunten Wald,
Ihr leeres Klappern schallt
Verloren durch die Kühle.

Die weißen Tauben lauschen
Hoch oben auf dem Dach,
Wenn drunten durch den Bach
Die wilden Enten rauschen.

Die Türe fest verschlossen,
Kein Gruß, den du empfängst;
Hier hat die Trauer längst
Ihr Schweigen ausgegossen,

Im Teiche schwanken düster
Die Wellen durch das Rohr,
Es drängt sich an mein Ohr
Ein schmerzliches Geflüster:

Wie vordem hier gewaltet
Die schöne Müllerin,
Und ihren sanften Sinn
Dem stillen Wald entfaltet.

Bis sie in schlimmen Stunden
Die Türe warf in's Schloß,
Sich schwang auf's braune Roß
Und aus dem Land verschwunden.

Es geht die Luft voll Klagen,
Seitdem sie zürnend schied;
Vom früh verwelkten Ried
Die Singvögel jagen.

Im ganzen Waldpalaste
Ist weder Heil noch Trost,
Vernehmbar bricht der Frost
Das Laub von jedem Aste.

Den trüben Waldesfrieden
Stört hackend nur der Specht
Und seufzt: "Das ist nicht recht,
Daß sie so früh geschieden!"

Die Winde stimmen schaurig
In diese Klagen ein:
Der Liebsten fern zu sein,
O Gott! es ist so traurig!

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