2017-02-10

A.J.Schindler (v.d.Traun) : Waldschloß (35)





  Waldschloß

Es war ein wilder Rittersmann,
Der sprach zu seinem Lieb:
„Die jungen Knappen schau'n dich an-
Ein jeder ist ein Dieb,
Dem es nach dir gelüstet!

Drum rüste dich, wir wollen bald
Den Gaffern uns entziehen;
Wir wollen in den tiefsten Wald,
Zum Reh und Hirsche, fliehen,
Die sind mir nicht gefährlich.“

Und droben hoch im dunklen Forst
Ließ bauen er ein Schloss;
Draus wollt er, wie vom sichern Horst
Ein Adler, auf den Tross
Der Talbewohner schauen.

Und als das Schloss vollendet war,
Berief er in den Stall
Der Maurerbursche lange Schar,
die Zimmerleute all':
„Ich will euch jetzt bezahlen.“

Sie traten alle ein gemach,
Da schlug er zu das Tor,
Warf rotes Feuer in das Dach,
Das jeglicher verlor
Sein junges frisches Leben.

„So bin ich mit dir, holde Braut,
Verborgen vor der Welt!
Still über uns der Himmel blaut,
Wenn durch die Wildnis gellt
Des Auerhahn es Balzen.

Nun fang im waldverborgnen Schloss
Mein Wonneleben an!
Es sei der Hirsch mein Tischgenoss',
Der Adler mein Kumpan,
Die Liebe meine Sonne.“

Doch wenn die Nacht sich niederschwang,
Da fand er keine Ruh;
Da halten Schritte auf dem Gang
Und seine Türe zu,
Da pocht' es an, da rief es:

"Herr Ritter wünsche wohl zu ruhn!
Der Maurerbursch ist da,
Will seinen Lohn erhalten nun;
Zu Hause weinen ja
Um ihn die kleinen Kinder!“

Und wenn der von der Türe ging,
So kam der Zimmermann;
Der Steinmetz klopfte kling! kling! kling!
Mit seinen Hammer an
Die Stufen auf der Stiege.

So lärmt und fleht die ganze Nacht
Der bettelhafte Tross.
Das hat der Ritter nicht bedacht,
Er hat sein Glück im Schloss,

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de