17.02.2017

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 16.06.1825 (463)



464. An Zelter 16.06.1825

Hierbei dankbar die Briefe bis 1805 zurück, 1806 wird abgeschrieben und folgt mit den folgenden. Sende nur gleich zehen Jahre, damit die Arbeit hintereinander weggehe. Ein Schreibender, der sich dran hält, kommt gar weit bei diesen langen Tagen.

Zur Begleitung send’ ich einige naturdichterische Blätter; willst Du Dir einmal recht jung scheinen, so singe sie und laß andere sie singen, damit auch diese glauben, die paradiesischen Irrtümer der Jugend seien ihnen wieder verliehen. Die neusten schönen Tage werdet ihr ja wohl auch, wenn meine Universalmeteorologie nicht trügt, zu genießen haben.

Mir geht es insoferne gut, daß ich an der notwendigsten Tätigkeit nicht gehindert bin. Möge es Dir ebenso und besser gehen.

Immer fort und immer grad Weimar, den 16. Juni 1825. G.

Diese Richtung ist gewiß,
Immer schreite, schreite!
Finsternis und Hindernis 
Drängt mich nicht zur Seite.

Endlich leuchtest meinem Pfad, 
Luna, klar und golden!
Immer fort und immer grad 
Geht mein Weg zur Holden.

Nun der Fluß die Pfade bricht,
Ich zum Nachen schreite;
Leite, liebes Himmelslicht,
Mich zur ändern Seite.

Seh’ ich doch das Lämpchen schon 
Aus der Hütte schimmern;
Laß um deinen Wagenthron 
Alle Sterne glimmern!

Immer hin und immer fort, 
Allzu schön erscheinend,
Folgt sie mir von Ort zu Ort, 
Und so hab’ ich weinend.

Überall umsonst gefragt,
Feld und Flur durchmessen, 
Auch hat Fels und Berg gesagt: 
Kannst sie nicht vergessen.

Wiese sagte: Geh nach Haus, 
Laß dich dort bedauern;
Siehst mir gar zu traurig aus, 
Möchte selber trauern.

Endlich fasse dir ein Herz 
Und begreifs geschwinder:
Lachen, Weinen, Lust und Schmerz 
Sind Geschwisterkinder.

alle Briefe                                                                                                                                     weiter



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