2017-02-16

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 07.06.1825 (462)



463. An Goethe 07.06.1825

Herr Hauser, ein recht guter Baßsänger, geht von Kassel nach Dresden und zwar den nächsten Weg über Weimar, um der einzigen Ursache, Dein Angesicht zu sehn und Dir ein Lied vorzusingen. Er sagt mir, daß er sich schon einmal Dir genahet habe, doch habe er die Sprache verloren gehabt, und so bittet er mich, ihm ein Wort an Dich mitzugeben.

Halte es nun damit, wie Du magst und kannst; doch bin ich ihm eine Gunst schuldig worden, indem ich bei Gelegenheit, da er mir zum ersten Male vorsang und allerlei Entschuldigungen, die sich mehr und weniger alle Sänger angeeignet haben, zum 1001. Male wiederholte, ihm so gewaltig aufs Haupt fuhr, wie es ihm vielleicht noch nicht geworden ist.

Leider reißt manchmal die Geduld, und nachher möchte man sich prügeln; denn wenn ich bin, wie ich bin, warum soll der andere nicht sein, wie Er ist? So lebe wohl. Es ist ein Brief an Dich unterwegs. Heut ist Dienstag, der 7. Junius 1825.

Dein

Z.

Wie man hier sagt, wollt ihr schon im September in euerm neuen Hause spielen, da müßt ihr schon weit sein; ich patsche noch im Grundwasser herum, und dazu haben wir hier täglich Regen.

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