2017-02-16

Gedichte v. Aloys Schreiber: Das erste Christgeschenk (8)





Das erste Christgeschenk

Die Jungfrau saß mit ihrem Kinde
In ihrer Hütte klein und arm,
Es wehten draußen rauhe Winde,
Sie hielt das Kind am Busen warm.

Zwey wunderschöne Knaben traten
Mit dehmuthsvollem Blick herein,
Und wie sie sich der Jungfrau nah'ten,
Umgab das Kind ein goldner Schein.

Sie grüßten die Gebenedeyte,
Die den Verheißenen gebar,
Sie sprachen zu der Mutter: heute
Schließt sich des Heiles erstes Jahr.

An diesem Tag, in dieser Stunde
Der stillen, hehren Mitternacht,
Da sangen wir die große Kunde,
Vernichtet sey der Hölle macht.

Die fromme Gabe, die wir bringen,
Dein Sohn, er nimmt sie freundlich an,
Ihm muß ein großes Werk gelingen,
Und rauh ist seine Lebensbahn.

Die Engel bücken sich, und reichen
Ein kleines Kreuz dem Kinde hin,
Die Mutter sieht es mit Erbleichen,
Denn sie erkennt den ernsten Sinn;

Doch lächelnd streckt die zarten Hände
Der Knabe nach dem Kreuzlein aus,
Und sieh, der Hütte arme Wände
Erglänzen wie das Himmelshaus.

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